Angedacht 202002

Gespannt sein, was Gott noch mit mir vorhat

„Das Alter hat zwei große Vorteile: Die Zähne tun nicht mehr weh und man hört nicht mehr all das dumme Zeug, das ringsum gesagt wird.“ 

George Bernhard Shaw, Schriftsteller

 

„Das Alter hat zwei große Vorteile: Die Zähne tun nicht mehr weh und man hört nicht mehr all das dumme Zeug, das ringsum gesagt wird.“ 

George Bernhard Shaw, Schriftsteller

 

Fragt man die Deutschen über 60, was Ihnen ganz persönlich für ihr Leben wichtig ist und vergleicht das mit den Aussagen von jüngeren Befragten, dann bekommt man laut einer Umfrage des Statistik-Portals „Statista“ folgende Ergebnisse: 

 

Die über 60-Jährigen wollen „etwas für ihre Gesundheit tun“, „gute und vielseitige Bildung“, „für die Familie da sein“ und „sich sozial engagieren“. 

 

Weniger wichtig im Vergleich zu Jüngeren ist ihnen, „Spaß und Freizeit haben“, „beruflicher Erfolg und Karriere“, „sich ein Vermögen aufbauen“. 

Offensichtlich sind Werte wie „Zufriedenheit“ und „Gesundheit“ wichtig, um entspannt alt werden zu können. 

 

Was planen Sie im Alter? 

 

Eine Kurzumfrage unter Radiohörern und –hörerinnen eines deutschen Senders ergab folgende Ergebnisse:

Humorvoll: Ich werde einen Hund haben – mehr brauche ich nicht. 

Kritisch: Ich freue mich am meisten auf’s Pfandflaschen sammeln und anstehen bei der Tafel, während ich im Armutsbericht lese, dass es mir gut geht. 

Kreativ: Reisen und Zeichnen – je nach Geldbeutel. 

Musikalisch: Ich singe in der Kantorei. Ohne Musik will ich nicht alt werden. 

Entspannt: Ich freue mich auf ein gemütliches Häuschen auf einer warmen Insel! Entweder Madeira oder Ibiza. 

Bildungshungrig: Lesen, lesen, lesen. Vielleicht noch promovieren. 

Sozial: Ich mache seit ein paar Jahren für die Kirchengemeinde Besuche im Altenheim. Wie schaffst Du das, fragt eine Freundin? Ist ganz einfach, sage ich: Klappe halten und zuhören. 

Befreit: Kinder aus dem Haus, Hund tot. Mit sechsundsechzig Jahren, da fängt das Leben an!

 

Wunderbar, wenn man noch Pläne haben kann und vielleicht den einen oder anderen davon auch realisieren kann. 

 

Wenn ich mich so umsehe, dann sehe ich aber auch viel Einsamkeit, viel Allein-sein. Ich wünsche mir für mich, dass ich im Alter noch Menschen habe, die gern mit mir zusammen sein mögen. Die meine Marotten und mein Altern nicht als anstrengend empfinden und meine Würde trotz schwindendem Gedächtnis und schütter werdendem Haar und losen Zähnen bewahren helfen, gerade, wenn ich es nicht mehr kann. 

 

Und ich wünsche mir, dass ich in einer Gemeinschaft wie einer Kirchengemeinde aufgehoben sein darf, die mich nicht abweist und wo ich willkommen bin bis ins hohe Alter. Verwirf mich nicht in meinem Alter; verlaß mich nicht, wenn ich schwach werde, heißt es in Psalm 71,9. So umfangen altern zu dürfen muss dann keine Angst machen. Altern kann dann auch heißen: Ich bin gespannt, was Gott noch mit mir vorhat. 

 

Marc Blessing