Dienstag, 23. Juni: ein gutes Wort: so weit der Himmel ist...

Dienstag, 23. Juni: ein gutes Wort: so weit der Himmel ist...


# Berichte
Veröffentlicht von Marc Blessing am Sonntag, 28. Juni 2020, 15:23 Uhr
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Dienstag, 23. Juni: ein gutes Wort für den Tag: ...so weit der Himmel ist.


Wort für den Tag

Deine Gnade reicht, so weit der Himmel ist. (Psalm 108,4)


Impuls - von Matthias Burghardt

Liebe Leserinnen und Leser!

Ein nordfriesischer Wahlspruch heisst: "Rüm hart-klaar kiming" (Weites Herz, klarer Horizont). So schön die Alpen und der Jura auch sind, das glänzende Mont-Blanc-Massiv an schönen Tagen, Fels und Almen, sie nehmen dem Himmel ja einen guten Teil Raumes und schieben den Horizont sozusagen nach oben. Im flachen Friesland scheint der Himmel dagegen meistens den grössten Teil des Blickfelds einzunehmen, und wenn man am Meer steht, gibt es nur Meer, Kiming und Himmel, dieser manchmal mit phantastischen Wolkenformationen, selten azurblau, im Winter eher grau in vielen Schattierungen.

Ich denke nicht, dass der Himmel das Herz weiter macht, besser aufräumt oder reiner werden lässt. Sonst gäbe es in solchen Gegenden ja für Psychologen und Seelsorger wohl keinen Anlass, sich dort anzusiedeln. Vielleicht lässt der riesige Himmel manche merken, dass die Welt und Gott viel grösser sind als sie selbst. Und er macht manche Menschen, diejenigen, die dafür empfänglich sind, oder die auch schon mit Enge und Unordnung in sich zu schaffen hatten, etwas gelassener und zurückhaltender hinsichtlich ihrer eigenen Grösse und ihrer Möglichkeiten. Diese Zurückhaltung und Gelassenheit ist denn auch der Hintergrund zahlreicher Anekdoten über die Küstenbewohner, die bis hin zur Flensburger Bierreklame reichen. Allerdings, wie gesagt, das betrifft längst nicht alle Norddeutschen, es gibt viele Gegenbeispiele.

So wie im Norden die Weite des Raumes, so ist es für mich in der Schweiz stets die Tiefe der Zeit gewesen, die mich ein wenig demütiger hat werdeń lassen: Die Vorstellung ergreift, dass zu diesen selben Bergen, zu nur in kleinen Details veränderten Felsriesen, schon die ersten Christen unserer Gegend hinaufgeschaut haben, und in ihrer Sprache, z.B. dem Latein, die selben Psalmworte gebetet haben und dass schon vorher die keltischen Allobroger und noch vor ihnen andere Völker, von denen wir kaum die Namen kennen, auf denselben Mont Blanc geschaut haben! Besonders wenn die Berge abends langsam im Dunkel verschwinden und auf den Hügeln oder der anderen Seeseite einige gelb-orange Lichter aufleuchten, dann fühle ich mich, wie ein Zeitreisender, als würde gleich ein Fischerboot wie zur Zeit des Neuen Testaments vorbeifahren auf dem Weg zu seinem Fanggrund.

Gottes Gnade reicht so weit der Himmel ist und tausend Jahre sind vor Gott nur ein Tag. So, wie er unseren Voreltern begegnet ist, so begegnet er auch uns in unseren Zeiten und Räumen in Christus.


Gebet: Psalm 108, 1-5

Gott, mein Herz ist bereit,

ich will singen und spielen. Wach auf, meine Seele!

Wach auf, Psalter und Harfe!

Ich will das Morgenrot wecken.

Ich will dir danken, HERR, unter den Völkern,

ich will dir lobsingen unter den Leuten.

Denn deine Gnade reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Treue, so weit die Wolken gehen.




Lied: Ich will dir danken unter den Völkern

https://www.youtube.com/watch?...


Hinweis: Den Abschiedsgottesdienst von Matthias Burghardt vom letzten Sonntag aus dem Garten des John-Knox-Centers können Sie hier nachsehen: https://www.youtube.com/watch?v=oNRG-5QcGuw&feature=youtu.be