Samstag, 6. Juni 2020: ein gutes Wort für den Tag: Perspektivwechsel

Samstag, 6. Juni 2020: ein gutes Wort für den Tag: Perspektivwechsel


# Berichte
Veröffentlicht von Marc Blessing am Freitag, 5. Juni 2020, 18:23 Uhr
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Samstag, 6. Juni: ein gutes Wort für den Tag: Perspektivwechsel


Wort für den Tag

Nun aber legt alles ab von euch: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde. Kolosser 3, 8.


Impuls - von Marc Blessing

Stell Dir für einen Moment vor, du wärst im Jahr 1900 geboren. Mein Großvater war Jahrgang 1900. Wenn Du 14 Jahre alt bist, beginnt der erste Weltkrieg und endet, wenn Du 18 wirst mit 22 Millionen Toten weltweit. Kurz darauf beginnt die weltweite Pandemie der Spanischen Grippe mit 50 Millionen Todesopfern. Sie dauert an, bis Du 20 Jahre alt bist. 


Wenn Du 29 Jahre alt bist, beginnt die Weltwirtschaftskrise mit dem Börsencrash in New York. Die Folge sind Inflation und Massenarbeitslosigkeit. Wenn Du 33 Jahre alt bist, gelangen die Nazis an die Macht. Wenn Du 39 bist, beginnt der zweite Weltkrieg und dauert an bis Du 45 bist. Er kostet 60 Millionen Menschen das Leben, davon allein im Holocaust 6 Millionen Juden. 


Wenn Du 55 Jahre alt bist, beginnen in Amerika die Rassenunruhen, die Hunderte von Todesopfern fordern - und in der Ermordung von Martin Luther King 1968 gipfeln. Wenn Du 64 bist beginnt der Vietnamkrieg und er endet, wenn du 75 Jahre alt bist. 


Ein Kind im Jahr 1985 dachte, dass Oma und Opa keine Ahnung haben, wie schwer die Schule heutzutage ist. Die Großeltern haben mehrere Kriege überlebt und es ist ein Wunder, dass sie noch nicht gestorben sind.  


Wir haben ein paar Monate einer neuen Pandemie hinter uns - mit allen Bequemlichkeiten der modernen Welt. Wir hatten Strom, Handys, genug Essen, warmes Wasser und ein sicheres Dach über dem Kopf. Wir waren gut informiert und konnten selbst über große Entfernungen mit einander verbunden bleiben. 


Die Menschen beklagten sich, weil sie ein paar Monate mal nicht das Haus verlassen sollten - und ihre Persönlichkeitsrechte eingeschränkt sahen. Ja, es waren Einschränkungen. Aber es hilft vielleicht, für einen Moment einmal die Perspektive zu wechseln und von Seiten unserer Großeltern auf das Geschehen zu blicken. Geschäfte und Unternehmen erhalten Hilfen vom Staat. Arbeitnehmer sind in Kurzarbeit - und nicht entlassen. Die deutsche Bundesregierung hat ein Milliarden-schweres Hilfsprogramm aufgelegt, wie es die Nachkriegszeit nicht gesehen hat. All das gab es in früheren Zeiten nicht und doch haben die Menschen sie überstanden und ihre Lebensfreude nicht verloren. Heute beklagen sich die Menschen, weil sie im Bus oder im Supermarkt eine Maske tragen sollen. Dabei haben gerade die einfachen Maßnahmen die größte Not abgewendet. 


Nur in Brasilien und in den Vereinigten Staaten, wo die Präsidenten ein Virus Namens "Hass" verbreiten, grassiert die Pandemie erbarmungslos weiter. Das bedrückende Video vom gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd hat uns daran erinnert, was geschieht, wenn die gegenseitige Fürsorge, die wir in der Corona-Krise glaubten, irgendwie eingeübt zu haben, sprichwörtlich "mit Füßen getreten" wird. Was sichert unser Überleben? Gewalt? Rassismus? Nein! Aber: Nächstenhilfe, Empathie, Zuversicht. Auf die Perspektive kommt es an!


Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. Kolosser 3, 15.


Ihr Marc Blessing


Gebet (Franz von Assisi)

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
daß ich Liebe übe, wo man sich haßt, 
daß ich verzeihe, wo man sich beleidigt.
daß ich verbinde da, wo Streit ist.
daß ich die Wahrheit sage, wo der Irrtrum herrscht,
daß ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
daß ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält, 
daß ich dein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
daß ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

Herr, laß mich trachten: nicht daß ich getröstet werde, 
sondern, daß ich andere tröste, 
nicht daß ich verstanden werde, 
sondern daß ich andere verstehe; 
nicht daß ich geliebt werde, 
sondern ich andere liebe.

Denn wer da hingibt, der empfängt, 
wer sich selbst vergißt, der findet; 
wer verzeiht, dem wird verziehen; 
und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben. 

Amen. 


Hörempfehlung: Seasons (of Corona) - uns zugeschickt von Michael Wiener, Komposition und Klavier, und MusikerInnen vom UN Music Club https://youtu.be/1TZBSYyIEbo