Pfingstdienstag: 2. Juni: ein gutes Wort für den Tag: ROT

Pfingstdienstag: 2. Juni: ein gutes Wort für den Tag: ROT


# Berichte
Veröffentlicht von Marc Blessing am Mittwoch, 3. Juni 2020, 17:49 Uhr
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Pfingstdienstag: ein gutes Wort für den Tag: rot!


Impuls - von Matthias Burghardt

Die Farbe rot ist die Farbe des Pfingstfestes und der Pfingstwoche. An ungezählten Kanzeln und Altären hängt sie in dieser Zeit. 

"Mal was anderes", denken diejenigen, denen solche Sachen auffallen. "Pfingsten ist ein Fest des Heiligen Geistes" wiederum diejenigen, die das eben so gelernt haben.


Dieselbe Farbe hängt sonst auch bei Konfirmationen, Ordinationen, Einweihungen, Kirchenversammlungen, Gedenktagen der Apostelinnen und Apostel und Heiligen und am Reformationstag. Mit der Farbe verbinden wir also vor allem die Bitte um den Heiligen Geist. 


Ohne Gottes Heiligen Geist - der schafft, erneuert, verbindet, versöhnt, Hindernisse wegweht, in unseren Herzen Glaube, Liebe und Hoffnung entfacht und vor allem uns Jesus Christus vor Augen malt und vergegenwärtigt -  ohne diesen Heiligen Geist also, würden wir in unserer fast 2000-jährigen Kirche tatsächlich ganz schön alt aussehen. Über die Früchte des Heiligen Geistes im Leben von uns Christen können wir im Galaterbrief lesen (5, 22-23): "Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung".


Der Heilige Geist hat Menschen in Theologie und Philosophie durch die 20 Jahrhunderte hindurch stets auch zu allerlei Spekulationen inspiriert. Ob diese Spekulationen tatsächlich vom Heiligen Geist inspiriert wurden, oder ob sie nur über ihn gedacht und verbreitet wurden, nicht aber durch ihn, mit ihm und in ihm, sei dabei mal dahingestellt.


Ein äusserst wirkkräftiges Beispiel ist der süditalienische mittelalterliche Theologe Joachim von Fiore (+1202). Im wikipedia-Artikel über ihn steht unter anderem (https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_von_Fiore):

"Die Geschichte wird in drei Zeitalter gegliedert, welche er mit der Trinität in Verbindung bringt: Die Zeit des Vaters (Altes Testament), des Sohnes (beginnt mit dem Neuen Testament und endet nach seiner Vorhersage 1260) und die des Heiligen Geistes. Dieses dritte, glückliche Zeitalter werde von der intelligentia spiritualis erleuchtet sein und alle Freuden des Himmlischen Jerusalem (Offenbarung 21) bieten. Das letzte, das Dritte Zeitalter, steht im Zentrum des joachimitischen Geschichtsbildes. Dieses Zeitalter wird auch Drittes Reich genannt (siehe auch Chiliasmus).[1] Dem Dritten Zeitalter geht die Ankunft des Antichrist voraus, welcher dann von einer kirchlichen Persönlichkeit besiegt wird."

Das Reich des Heiligen Geistes also als ein "Drittes Reich". Mir ist aufgefallen, dass die Farbe rot tatsächlich bei irdischen Reichen mit Heilsversprechungen besonders häufig vorkommt (auch bei solchen ohne Heilsversprechung, oder mit einer modifizierten findet sich natürlich rot in den Symbolen). Vielleicht ist das ja kein Zufall. In Zeiten, wo fast alle Leute in den traditionell christlichen Ländern in die Kirche gingen, kannten sie die Farbe rot natürlich auch im Zusammenhang der kirchlichen Lehre. 


Liebe und Entschlossenheit, Feuer und Begeisterung, aber auch Blut und Kampf symbolisiert diese Farbe. Und den gemeinsamen Geist eben. Und prompt hört man das Wort "heilig" in solchen Reichen auch. Von einem "heiligen" Land über ein "heiliges" Opfer bis zum "heiligen Kampf".

Befreiend ist in diesem Zusammenhang das Wort Jesu aus dem Lukasevangelium (17, 20-24): "Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da!, oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein."


Das Reich des Heiligen Geistes ist also da, wo der Heilige Geist weht, wo er uns Jesus Christus vergegenwärtig und vor Augen malt.

Rot ist für uns Christen die Farbe des Pfingstfest, des Heiligen Geistes, der unter uns und in uns ist und das Reich Gottes auf der ganzen Welt baut, wann und wo es Gott passt - und wir dürfen mitbauen...


Das drückt sich in einem schönen Kirchenlied aus:


LiedempfehlungDer Tag, mein Gott, ist nun vergangen (EG 266)

Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen und wird vom Dunkel überweht. Am Morgen hast du Lob empfangen, zu dir steigt unser Nachtgebet.

Die Erde rollt dem Tag entgegen; wir ruhen aus in dieser Nacht und danken dir, wenn wir uns legen, dass deine Kirche immer wacht.

Denn unermüdlich, wie der Schimmer des Morgens um die Erde geht, ist immer ein Gebet und immer ein Loblied wach, das vor dir steht.

Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht: und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht.

So sei es, Herr: die Reiche fallen, dein Thron allein wird nicht zerstört; dein Reich besteht und wächst, bis allen dein großer, neuer Tag gehört.


Gebet

Komm, Heiliger Geist, 

erfüll die Herzen deiner Gläubigen 

und entzünd in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe, 

der du in Mannigfaltigkeit der Zungen 

die Völker der ganzen Welt versammelt hast 

in Einigkeit des Glaubens. 

Halleluja, Halleluja. Amen

(aus dem 11. Jahrhundert)