Freitag, 22. Mai: Ein gutes Wort für jeden Tag

Freitag, 22. Mai: Ein gutes Wort für jeden Tag


# Berichte
Veröffentlicht von Marc Blessing am Montag, 25. Mai 2020, 12:28 Uhr
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Freitag, 22. Mai: ein gutes Wort für den Tag


Impuls - von Matthias Burghardt: König!


Eine beliebte Examensfrage im Fach Kirchenrecht: "Wer regiert die Kirche?" 

Während die Examinanden sich noch überlegen, in welchem Verhältnis Gemeinden, die Synode, die Kirchenregierung, das Kirchenamt, Propsteien und die kirchenleitenden Ämter stehen, welche Gremien welche kontrollieren, kommt die Nachfrage: "Na, wissen Sie es nicht?" Und dann mit leichtem Triumph des Wissens und der Rechtgläubigkeit in der Stimme: "Jesus Christus. Die Kirche ist keine Demokratie."

Ich kannte diese Szene zum Glück schon, bevor ich selbst im Examen danach gefragt wurde. Es ist mir in diesem Zusammenhang allerdings schleierhaft, ob und wie nun ausgerechnet Jesus kirchliche Prüfungskommissionen einberufen und besetzt hat, im Neuen Testament habe ich dazu nichts gefunden...

In gleicher Weise irritierte mich dann später der Briefkopf der Kirche, auf dem ein Kruzifix abgedruckt war. Eigentlich schön. Aber wenn darunter dann auch mal die Nebenkostenabrechnung fürs Pfarrhaus steht, dann befremdet mich das doch sehr. Was hat Christus mit meiner Wasserrechnung zu tun?

Jesus sagt über das Bild des Kaisers auf dem Geldstück: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist (Mk 12, 17)." Das liesse sich auf die konkret sichtbare kirchliche Obrigkeit ausdehnen. Und Luther (in einem Brief an Georg Spalatin von der Feste Coburg, WAB 5, 415, 45-47): "Wir sollen menschen und nicht Gott sein. Das ist die Summa; Es wird doch nicht anders..."

Die Kirche war von ihrem Ursprung an beides: Reich Gottes (was schon dem Wortsinn nach wohl kaum demokratisch geordnet sein kann), in dem der Gute Hirte seine Schafe weidet, leitet und beschützt, die Schafe des Hirten Stimme hören und ihr folgen (Luther in den Schmalkaldischen Artikeln), wo der Vater den Verlorenen Sohn in die Arme schliesst, das grosse Festmahl des Königs gefeiert wird, das unter uns und inwendig in uns wächst wie ein Senfkorn und das noch vieles mehr ist und tut, in dem Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit regieren. Was das betrifft, ist die Examensantwort richtig. 

Gleichzeitig war es in der frühen Kirche selbstverständlich, dass die Gemeinde in allen Fragen gemeinsam um Antwort und Weisung gebeten hat, dass einer unser Meister und wir alle Geschwister sind, dass Leiten gleichzeitig Dienst an der Gemeinschaft ist, dass praktische Fragen mit Vernunft angegangen werden und wir stets tastend und um gegenseitige Achtung bemüht als Gemeinde Christi unseren Weg durch die Zeit suchen. Der Heilige Geist sucht sich nicht unbedingt die stabilen Genies oder die kirchlichen Kommissionen exklusiv aus.... Wir alle sind auf seinen Namen getauft, ich und alle anderen auch. So gesehen ist die Kirche nicht nur demokratisch, synodal sagt man auf kirchendeutsch, sondern sie ist Vorbild für viele demokratische Entwicklungen. 

Von Zeit zu Zeit ist es immer mal wichtig, den einen oder anderen Aspekt zu betonen, weil ja beides ab und zu in Vergessenheit zu geraten droht. Die Kirche darf sich nicht Gremien oder Personen unterwerfen, die sich an Christi Stelle setzen. Aber sie darf auch nicht meinen, sie könne selbstherrlich einherschreiten und Christus dabei vergessen. Beides wurde in der Vergangenheit oft und mit spektakulären Misserfolgen probiert. Gut, dass nicht alles immer an uns liegt! Wir sollen eben Menschen und nicht Gott sein und Gott Gott sein lassen.

Hier ein schönes Himmelfahrtslied, das den einen der beiden Aspekte betont. "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt" kann man getrost daneben legen, dann hat man beide ?


EG 123: Jesus Christus herrscht als König,

alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß.

Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muß.

2) Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten,

geben ihm die Herrlichkeit;

alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel

ist zu seinem Dienst bereit.

3) Gott ist Herr, der Herr ist Einer, und demselben gleichet keiner,

nur der Sohn, der ist ihm gleich;

dessen Stuhl ist unumstößlich, dessen Leben unauflöslich,

dessen Reich ein ewig Reich.

10) Jauchz ihm, Menge heilger Knechte, rühmt, vollendete Gerechte

und du Schar, die Palmen trägt,

und ihr Zeugen mit der Krone und du Chor vor seinem Throne,

der die Gottesharfen schlägt.

11) Ich auch auf der tiefsten Stufen, ich will glauben, reden, rufen,

ob ich schon noch Pilgrim bin:

Jesus Christus herrscht als König, alles sei ihm untertänig;

ehret, liebet, lobet ihn!

Ph. Fr. Hiller 1755


Gebet

Du zeigst uns den Himmel,

Christus, du Auferstandener.

Du bist unser Himmel.

Komm mit dem Himmel zu uns.

Wohne in unseren Herzen,

damit deine Liebe uns verwandelt,

damit wir eins sind,

damit wir einander vertrauen,

damit wir einander vergeben,

damit wir einander helfen.

Christus, du Auferstandener,

der Himmel ist in uns.

Du bist unser Himmel,

heute und alle Tage.

Amen.