Donnerstag, 14. Mai 2020: ein gutes Wort für jeden Tag: Lebensmelodie

Donnerstag, 14. Mai 2020: ein gutes Wort für jeden Tag: Lebensmelodie


# Berichte
Veröffentlicht von Marc Blessing am Samstag, 16. Mai 2020, 23:47 Uhr

Donnerstag, 14. 2020: Mai: ein gutes Wort für (fast) jeden Tag: Lebensmelodie


Hinweis: Die Predigt vom Sonntag Kantate finden Sie zum Nachlesen hier: 20-05-10.Predigt Kantate.docx

Mehr über den Schriftsteller und Dachau-Überlebenden Edgar Kupfer-Koberwitz hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Edgar_Kupfer-Koberwitz


Foto: Dagmar Magold, hier das ganze Foto samt Lied: Merly Tauflied.jpg


Wort des Tages: Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst; ich will den Herrn loben, dass er so wohl an mir tut. Ps 13,6


Psalm 13

Hilferuf eines Angefochtenen

Ein Psalm Davids, vorzusingen.

Herr, wie lange willst du mich so ganz vergessen?

Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?

Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele / und mich ängsten in meinem Herzen täglich?

Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?

Schaue doch und erhöre mich, Herr, mein Gott!

Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe, 

dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden,

und meine Widersacher sich freuen, dass ich wanke.

Ich traue aber darauf, dass du so gnädig bist; / mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut.

 

Impuls: Lebensmelodie - von Dagmar Magold

Der Sonntag Kantate ist zwar vorbei, aber ich möchte Euch trotzdem heute von meiner Lebensmelodie erzählen. Eigentlich ist es eher ein Lebensmotto, denn es ist der letzte Vers aus Psalm 13, den Ihr oben gelesen habt. Und ich fange auch hinten in der Geschichte an, erzähle sie also rückwärts.

Mein Vater ist mit 61 Jahren viel zu früh an Krebs verstorben. Glücklicherweise konnten wir uns in aller Ruhe von ihm verabschieden und uns mit ihm gemeinsam auf seinen nahen Tod vorbereiten. Mein Vater hatte seine Wünsche im Blick auf seine Beerdigung und Trauerfeier sehr genau geäußert, denn wir hatten vor seinem Tod ganz viele intensive Gespräche miteinander. Und da er ganz sicher gehen wollte, dass wir das auch nicht vergessen, hatte er in seinem Evangelischen Gesangbuch viele kleine Zettel hinterlassen. Darauf hatte er aufgeschrieben, welche Lieder bei seiner Beerdigung gesungen werden sollten und vor allem, welchen Vers er als Grundlage für die Beerdigungsansprache gewählt hatte.

Es war sein Konfirmationsspruch aus Ps 13: Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst; ich will dem Herrn loben, dass er so wohl an mir tut.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir einige Diskussion bezüglich seiner Liedauswahl hatten. Denn er hatte nur Lob- und Danklieder ausgesucht, die meisten von Paul Gerhardt, dessen Biografie er im Krankenhaus gelesen hatte, was ihn offensichtlich sehr berührt hat.

Meine Mutter und ich fanden seine Liedauswahl wirklich schön, gaben ihm aber zu bedenken, dass "die Leute" denken könnten, dass wir froh wären, dass er das Zeitliche gesegnet hätte, wenn wir an seiner Trauerfeier Loblieder singen würden. Aber das war ihm völlig egal. Und in der Tat, wir sangen bei seiner Beerdigung nur Lob- und Danklieder, denn das war sein tiefes Empfinden der Dankbarkeit für sein Leben, nachdem er die Unausweichlichkeit des zu frühen Todes akzeptiert hatte. Als letztes Lied, bevor der Sarg mit seiner sterblichen Hülle aus der Friedhofskapelle getragen wurde, sangen wir: Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit.... Es war der 3.Juni 1997 und ein strahlend schöner und heißer Frühsommertag und seine Lieblingssträucher (Rhododendron) standen in voller Blüte rund um sein Grab.

Warum ist nun der Konfirmationsspruch meines Vaters mein Lebensmotto, meine Lebensmelodie geworden?

Im September 1985 haben Martin und ich geheiratet. Unser Trauspruch war genau dieser Vers Ps13,6, ohne damals zu wissen, dass es der Konfirmationsspruch meines Vaters war. Auch da gab es Diskussionen mit unserem Freund Markus Dröge, Bischof em. der EKBO, der uns getraut hat. Er fand es nicht so passend, dass wir als Start in unsere Ehe einen Spruch aus einem Klagelied gewählt hatten. Aber wir haben uns durchgesetzt. Denn auch wir waren erfüllt von Dankbarkeit, dass unsere Beziehung trotz langer Zeiten der räumlichen Trennung gehalten hat und immer tiefer wurde.

Als wir dann endlich nach 10 langen Jahren der Hoffnung auf ein Kind unsere Merly in den Armen halten durften, war für uns klar, Ps13,6 wird ihr Taufspruch.

Dieser Spruch war so passend zu unserem Leben, spricht er doch von tiefem Vertrauen auf Gottes Gnade und Hilfe, von Freude und Wohlergehen, die wir sooft in unserem Leben in allen Höhen und Tiefen erfahren haben.

Und nun kommt der eigentliche Clou der Geschichte. Wie Ihr oben sehen könnt, hat Regine Kummer, unsere Organistin und liebe Freundin, den Vers zur Merlys Taufe vertont und wir haben ihn natürlich im Taufgottesdienst, der für uns ganz besonders war, gesungen.

Wenn ich mich an diesen Tag zurück erinnere, waren wir die glücklichsten Menschen der Welt. Nach dem Gottesdienst kam der stolze Opa, mein Vater, um sein Enkelkind in den Arm zu nehmen, denn er war total verliebt in dieses goldige Wesen mit den wunderschönen schwarzen Knopfaugen. Und mit Tränen in den Augen bedankte er sich bei uns, dass wir seinen Konfirmationsspruch für Merly als Taufspruch gewählt hatten. Erst in diesem Moment haben wir wahrgenommen und verstanden, dass dieser Vers meinen Vater schon fast sein Leben lang begleitete, ohne dass wir davon gewusst hätten. Dieser Vers ist auch uns in den entscheidenden Momenten unseres Lebens Trost, Hoffnung, Freude und Melodie des Lebens geworden. Er zieht sich durch unser Leben wie ein roter Faden und wenn es uns schwer ums Herz wird, wenn wir uns überfordert fühlen oder Trauer uns betrübt, erinnern wir uns an diese tröstlichen Worte und vertrauen darauf, dass Gott uns wohl tun wird:

"Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gern hilfst. Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an  mir tut."

 

EG 503: Geh aus, mein Herz, und suche Freud

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; Schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide. Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an, als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fleucht aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder, Die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Thal und Felder.

8. Ich selbst nun kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Thun erweckt mir alle Sinnen: Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.

12. Doch will ich gleichwohl, weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch, auch nicht gar stille schweigen, Mein Herze soll sich fort und fort an diesem und an allem Ort zu deinem Lobe neigen.

Zum Anhören und Mitsingen: https://www.youtube.com/watch?...


Gebet

Unser Kopf ist voll von den Missklängen und Dissonanzen der letzten Wochen.

Das Virus tötet Menschen

und beeinträchtigt unser aller Leben.

Wir bitten dich, bring uns zur Ruhe,

lass schweigen, was laut in uns lärmt und uns beunruhigt.

Komm zu uns und rühr eine Seite in uns an.

Versetze uns durch die Kraft Heiligen Geistes in Schwingung.

Bring dein Wort der Gnade, des Trostes und der Hilfe in unseren Seelen zum Klingen

und führ uns zur Harmonie mit dir und deiner ganzen Schöpfung.

Darum bitten wir dich in Jesu Namen. Amen

 

Bleiben Sie behütet und gesund.

 

Ihre Dagmar Magold