Donnerstag, 7. Mai 2020: ein gutes Wort: so hechelt mein Schlund nach dir

Donnerstag, 7. Mai 2020: ein gutes Wort: so hechelt mein Schlund nach dir


# Berichte
Veröffentlicht von Marc Blessing am Donnerstag, 7. Mai 2020, 01:33 Uhr
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Donnerstag, 7. Mai 2020: ein gutes Wort für jeden Tag: "... so hechelt mein Schlund nach dir."

Bildnachweis: https://de.wikipedia.org/wiki/Klippschliefer#/media/Datei:Rock_Hyrax_(Procavia_capensis)_(7042223567).jpg


Impuls - von Matthias Burghardt - der Klippschliefer

Ich bewundere die professionellen Übersetzerinnen und Übersetzer! Welch eine Vielfalt von Sinnesleistungen in jeder Sekunde! Sie müssen hören, was gesagt wird, dabei die Sprachfehler der Sprecher herausfiltern und sich auf deren Eigenarten einstellen, z.B. nicht müde werden, wenn monoton irgendein Text verlesen wird, von dessen Inhalt kaum etwas für Nicht-Fachleute verständlich ist. Übersetzen heisst, in zwei Systemen gleichzeitig zu denken und dann auch noch in einem davon zu sprechen! 


Bekannt ist die Anekdote über Bismarck, in der eine Amerikanerin im Reichstag eine Rede Bismarcks hören will. Ganz nah setzt sie sich zu ihrem Dolmetscher. Der Kanzler spricht lang und eindringlich, doch der Dolmetscher bleibt stumm. Endlich stösst sie ihn an und fragt ihn, warum er nicht übersetze und worauf er denn warte. Darauf der Dolmetscher: "Auf das Verb."


Auch die Übersetzung der Heiligen Schrift durch Martin Luther und spätere, ehrlich gemeinte und wissenschaftlich fundierte Verbesserungen wurden immer wieder einmal Thema ähnlicher Anekdoten. So berichtete, wenn ich mich richtig erinnere, Hans von Campenhausen über einen Pfarrer im Baltikum, der sich im Freundeskreis über die Ergebnisse der historischen Forschung an der Bibel ausliess (ich zitiere die Geschichte aus meinem Gedächtnis):

" ... Nun haben wir hier eine schöne Übersetzung vom Dr. Luther, in der lesen wir den Beginn von Psalm 43 so: 

Wie der Hirsch schreyet nach frischem Wasser, so dürstet meine Seele nach dir, o Gott.


Ein schöner Satz mit Rhythmus, für alle verständlich und nachvollziehbar. Nun kommt die neuere Forschung und erklärt uns, im Wortsinne handele es sich keineswegs um einen Hirschen, sondern es sei bei dem Tiere vielmehr ein Klippschliefer gemeint, wie er in den ariden Klimaverhältnissen des Orients häufig anzutreffen sei. Er schreie auch nicht, sondern es sei eher ein hohes Fiepen, das er von sich gibt. Ebenso sei es mit dem Wort `dürsten´ strenggenommen eher das Hecheln eines Tieres bei Trockenheit bezeichnet. Schliesslich müsse man getreu dem Wortsinn hier anstatt an `frischem Wasser´ eher an denaturiertes Naphta denken, wie es in den felsigen Gegenden Judaeas vermengt mit Wasser oft vorkomme. Die Seele sei im hebräischen Original doch nephesch, also Kehle oder Schlund. Nun heisst das also zusammengenommen, dass wir durch Mithilfe der Wissenschaft zu folgender Übersetzung gelangen:


"Wie der Klippschliefer nach denaturiertem Naphta fiept, so hechelt mein Schlund nach dir, o Gott."


Daraufhin nahm der Pfarrer einen tiefen Zug aus seiner Pfeife und schloss an: "Wie, meint Ihr nun, soll ich das am Sonntag meiner Gemeinde klar machen?" ...


Das Ganze zeigt mir vor allem, dass Kommunikation, besonders über Sprachgrenzen hinweg, ein Wunder ist! Ich bewundere Menschen, die das gut können, an denen unsere Gemeinde reich gesegnet ist, zum Beispiel auch in unseren polyglotten Kinderveranstaltungen. Und ich freue mich darüber, dass Gottes Wort über die Grenzen von Zeit, Sprache und Raum lebendig und wirksam ist und immer neue Formen findet, manchmal ernsthaft und manchmal lustig.


Gebet

Lieber himmlischer Vater,

wir danken Dir, dass Dein Wort in Jesus Christus greifbar und fassbar geworden ist. 

Dafür, dass es ein Wort der Liebe ist! 

Dafür, dass Du unsere Sehnsucht stillst und uns die Sehnsucht nach Dir ins Herz gibst.

Wir bitten Dich, hilf uns zu hören was Du sagst und was andere uns sagen. 

Zu hören und zu warten und zu verstehen. 

Lass uns die richtigen Worte finden, wenn wir mit anderen reden.

Segne uns, gerade in dieser Zeit, und lass uns anderen ein Segen sein.

Danke, dass Du uns die Richtigen Worte zum Gebet gelehrt hast.

Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. 

Amen.


Statt einem Lied hier die Bearbeitung des Psalms durch Felix Mendelssohn: https://www.youtube.com/watch?...


Und hier Psalm 42 nach Luther 2017:

42, 1 Eine Unterweisung der Korachiter, vorzusingen.

2 Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. 

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? 

4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott? 

5 Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einherzog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern. 

6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht. 

7 Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir, / darum gedenke ich an dichim Lande am Jordan und Hermon, vom Berge Misar. 

8 Deine Fluten rauschen daher, / und eine Tiefe ruft die andere; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich. 

9 Am Tage sendet der Herr seine Güte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens. 

10 Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? 

11 Es ist wie Mord in meinen Gebeinen, / wenn mich meine Feinde schmähen und täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott? 

12 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.