Freitag, 1. Mai 2020: ein gutes Wort für jeden Tag: Tag der Arbeit

Freitag, 1. Mai 2020: ein gutes Wort für jeden Tag: Tag der Arbeit


# Berichte
Veröffentlicht von Marc Blessing am Freitag, 1. Mai 2020, 19:44 Uhr
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Freitag, 1. Mai: ein gutes Wort für jeden Tag: Tag der Arbeit


Wort für den Tag

Der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen. 

Martin Luther


Gebet für den Tag

Herr, ich bin ein fauler Esel, darum komme ich zu dir, damit du mir hilfst und mein Herz anzündest. 

Martin Luther


Impuls: Tag der Arbeit - von Marc Blessing

Ein Feiertag? 

Ein Werktag?

Ein Kampftag? 

Ein Ruhetag?


Die Arbeiterbewegung wollte mit diesem Tag für das Recht auf Arbeit demonstrieren. 

Mit dem Recht auf Arbeit verbunden ist das Recht auf gerechte Entlohnung, auf faire Arbeitsverträge und bestmöglichen Gesundheitsschutz, auf Urlaub und Rente. 


Auf einmal bedroht eine Pandemie all diese Errungenschaften - und wir stellen uns darauf ein: die fetten Jahre sind vorbei. 


Die Arbeitslosenzahlen steigen. Die Wirtschaftsaussichten für bestimmte Branchen sind alarmierend. 


Und doch: Die wirtschaftlich guten Jahre sind - auch dank des Einsatzes von Gewerkschaften - dazu genutzt worden, die Arbeitsplätze der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abzusichern und ihre Rechte zu schützen, ein soziales Netz zu spannen, das jetzt viele auffängt. So werden nun nicht Knall auf Fall 10 Mio. Menschen arbeitslos, sondern können in Kurzarbeit. Unser Gesundheitssystem ist stark gefordert, aber wer krank ist, dem wird immer noch geholfen. Unsere Wirtschaft wird sich trotz heftiger Delle erholen. Das sage ich als schwäbischer Unternehmersohn, der immer wieder erfahren hat, wie findig und kreativ Leute auf Wirtschaftskrisen reagiert haben. Aber schon jetzt zeigt sich: die Art und Weise, wie wir arbeiten, wird nicht mehr die gleiche sein. 


Die Krise lehrt uns: Arbeit ist mehr als eine Verdienstquelle. Sie verbindet uns sozial mit anderen, sie verschafft uns Anerkennung und Selbstvertrauen, sie ist unverzichtbar im Leben eines Menschen. Wie sagte einst der olle Luther: Der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen. Arbeit gibt uns Sinn. Arbeit kann sehr befriedigend sein. Aber das heißt nicht, dass wir uns - die Kehrseite der Medaille - totarbeiten sollen. 


Arbeit ist der andere Pol zu Freizeit und Ruhepause. 


Gerade lernen wir auf die harte Weise, Arbeit und Familie, Zeit für andere und Zeit für uns selbst, neu zu tarieren. Und wir lernen Neues: Technische Entwicklungen helfen uns, umweltverträglicher, nachhaltiger und sozial kompatibel zu arbeiten. Noch klappt es nicht gut, jedenfalls bei mir nicht, den 24-Stunden-Zeitkuchen so einzuteilen, dass die Kuchenstücke für den Beruf, für die Familie, für - gern vernachlässigt! - den Partner und am Ende auch für mich selbst einigermaßen gut verteilt sind. Ach ja, schlafen sollte auch noch drin sein!


Meine Hoffnung ist aber, dass Arbeitszeitmodelle und neue Modelle des alternativen Wirtschaftens, die wir gerade in der Krise erproben, auch nach der Krise tauglich bleiben. Und wenn wir in der Krise erfolgreich eingeübt haben, unser eigenes Wohlergehen zugunsten der Schwächeren ein wenig zurück zu stellen, dann sollte es auch möglich werden, das Gemeinwohl unserer Volkswirtschaften vorrangig zugunsten derer einzusetzen, die sonst als erste unter die Räder geraten. 


Die Abschlussjahrgänge an den Schulen sind durch - Gott sei Dank! Jetzt sollten die jungen Leute an den Unis und in den Ausbildungsbetrieben ihren Beruf und ihre Berufung finden dürfen. Denn wir werden sie brauchen. 


Ich bin zuversichtlich, dass wir die Krise meistern. Ich bin zwar nicht die Kanzlerin, aber als Christ und Gott-Vertrauer erlaube ich mir, heute mal zu sagen: Wir schaffen das!


Der Tag der Arbeit - 

ein Nach-Denker-Tag, 

ein nachdenklicher Tag. 


Gebet

Herr, ich danke dir, dass ich Beruf und Arbeitsplatz habe, 

dass ich gesund bin und arbeiten kann. 

Gib mir Freude an meiner Arbeit. 

Behüte mich vor nutzlosem Tun und falschem Ehrgeiz. 

Lass mich hilfsbereit sein und aufrichtig zu allen, 

mit denen ich arbeite. 

Mute mir nicht mehr zu, als ich leisten kann.

Amen 


Nicht ganz ernst gemeinte Liedempfehlung: Die Prinzen: Ich wär so gerne Millionär

https://www.youtube.com/watch?...

oder - auch nicht wirklich seriöser: The Beatles: A hard day's night

https://www.youtube.com/watch?...


Ihr Marc Blessing


P.S. Aus Anlass des Kriegsendes vor 75 Jahren bieten wir Ihnen in diesen kulturell armen Zeiten ein besonderes live-stream-Konzert für Solo-Viola und Texten zum Frieden aus der Lutherischen Kirche Genf an am Freitag, 8. Mai 2020, um 19.00 Uhr. Ausführende: Johannes Möhrle, Solo-Viola, mit einer Partita in d-moll von J.S. Bach, und Marc Blessing, Texte. Den link dazu verschicken wir per newsletter ab 18.30 Uhr kommenden Freitag und Sie finden ihn auch auf unserer home-page unter www.luther-genf.ch