Mittwoch, 29. April: ein gutes Wort für jeden Tag: grenzenlos!

Mittwoch, 29. April: ein gutes Wort für jeden Tag: grenzenlos!


# Berichte
Veröffentlicht von Sekretariat Luther Genf am Mittwoch, 29. April 2020, 06:00 Uhr
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Ein gutes Wort für jeden Tag Mittwoch, 29.April 2020

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ 

Psalm 139,1-12

1 Herr, du erforschest mich

und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne.

3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich

und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,

das du, Herr, nicht alles wüsstest.

5 Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,

ich kann sie nicht begreifen.

7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,

und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da;

bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte

und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen

und deine Rechte mich halten.

11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken

und Nacht statt Licht um mich sein –,

12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,

und die Nacht leuchtete wie der Tag.

 

Lied: Über den Wolken

Wind Nord/Ost Startbahn null drei, bis hier hör' ich die Motoren. Wie ein Pfeil zieht sie vorbei und es dröhnt in meinen Ohren und der nasse Asphalt bebt, wie ein Schleier staubt der Regen, bis sie abhebt und sie schwebt, der Sonne entgegen.

 

Ref: Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.

 

Ich seh' ihr noch lange nach, seh' sie die Wolken erklimmen, bis die Lichter nach und nach ganz im Regengrau verschwimmen. Meine Augen haben schon jenen winzigen Punkt verloren. Nur von fern klingt monoton das Summen der Motoren.

 

Ref: Über den Wolken …

Dann ist alles still, ich geh' Regen durchdringt meine Jacke. Irgendjemand kocht Kaffee in der Luftaufsichtsbaracke. In den Pfützen schwimmt Benzin, schillernd wie ein Regenbogen, Wolken spiegeln sich darin, ich wär' gern' mitgeflogen.

 

Ref: Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.                                          Reinhard Mey

 

Zum Anhören  https://www.youtube.com/watch?v=0ICfNCLSnd4

Impuls

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…, so singt Reinhard Mey in seinem Lied. Nur, dass wir zur Zeit alle leider am Boden bleiben müssen. Der Genfer Flughafen ist fast lahmgelegt. Keine Kondensstreifen am Himmel, keine startenden oder landenden Maschinen und damit eine himmlische Ruhe auf der Terrasse. Das wäre alles wunderbar, wenn nicht bereits die 6. Woche im confinement für uns begonnen hätte. Und es stehen uns jetzt immer noch 2 weitere Wochen bevor mit strikter Ausgangssperre. Langsam aber sicher wird auch das sonnigste Gemüt von dunklen Wolken überschattet. Die Hoffnung darauf, uns bald wieder frei bewegen zu können (natürlich mit allen gebotenen Hygienemassnahmen), der Wunsch unsere Freund*innen bald wieder real und nicht nur virtuell zu treffen, die Hoffnung auf offene Grenzen zumindest im Schengenraum, um endlich unsere betagten Mütter zu besuchen, wird langsam übermächtig, wie auch das Verlangen, endlich wieder Gottesdienst in der Kirche feiern zu dürfen. Und über allem steht die bange Frage, wie es in allen Bereichen weitergehen wird.

Vergangenen Freitag bei unserer wöchentlichen virtuellen Happy Hour mit unseren Freund*innen entbrannte genau über diese Frage eine heisse Diskussion. Kurz zusammengefasst gab es 2 Fraktionen: die eine, die schwarz sieht für die Zukunft (Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Verteilung von unten nach oben, soziale Spannungen, Erstarken der „Rechten“, eher pessimistische Weltsicht) und den Vergleich mit dem Krisenjahr 1929 bemühte.  Die andere Fraktion, die diese weltumspannende Krise auch als Chance sieht, die Welt anders und neu zu gestalten (Bildungsgerechtigkeit, gerechte Löhne für die systemrelevanten Berufsgruppen, Beschleunigung der Digitalisierung, mehr Klimaschutz, solidarische Weltwirtschaft) und davon ausgeht, dass jetzt das Momentum ergriffen werden muss.

Wir wissen natürlich, dass wir den sogenannten Sachzwängen unterworfen sind, dass manches sich nicht so schnell ändern wird, wie wir es gern hätten. Aber ich denke, die Regierungen dieser Welt müssen nach der Krise viele Dinge besser begründen, als sie das vorher getan haben. Was in der Krise an schneller Hilfe und Finanzierung möglich ist, kann schlecht in besseren Zeiten mit der Begründung der Unfinanzierbarkeit zurück genommen werden. Das begreife ich als Chance und auch als Aufgabe, in Zukunft alles daran zu setzen, dass z.B. Krankenschwestern und Pfleger, Altenpfleger*innen, Verkäufer*innen, Müllmänner und alle, die in der Krise über sich hinaus gewachsen sind, um das gesellschaftliche Leben aufrecht zu erhalten und auf die wir auf keinen Fall verzichten können, endlich ordentlich entlohnt werden. Und ich hoffe sehr, dass bei uns selbst ein Umdenken stattfinden wird, was wir wirklich zum Leben brauchen und auf was wir gut und gern verzichten können.

Es ist vollkommen klar, dass wir uns alle nach Freiheit sehnen, denn es tut uns weh, wenn wir uns plötzlich so abhängig und unfrei fühlen. Unsere Grundrechte sind massiv eingeschränkt und es ist kein gutes Gefühl, dass die Regierungen so weit in unsere Privatsphäre und unsere Freiheitsrechte eingreifen. Es ist gegen unsere Würde.

Die alten Griechen kennen drei Worte für Freiheit: Eleutheria. Das ist die Freiheit, dort hinzugehen, wohin ich will. Ich bin frei in meinem Handeln. Ich kann das tun, was ich für mich als richtig empfinde. Ich bin nicht eingezwängt durch Vorschriften und Erwartungen. 

Wussten Sie, dass Martin Luther bis zu seinem Thesenanschlag 1517 eigentlich Luder hieß?  Erst dann änderte er seinen Familiennamen in Luther, nicht etwa weil „Luder“ im Deutschen einen wenig charmanten Klang hat, sondern weil er meinte, in seinem abgeänderten Namen „Luther“ klinge das griechische Wort „ eleutheria“ an, auf Deutsch: Freiheit. Martin Luther, der Befreite, der die Freiheit gewonnen hat und die Freiheit eines Christenmenschen verkündete. Sein Name war also Programm. Die Freiheit war sein großes Lebensthema.

Parrhesia, das 2. Wort, meint die Redefreiheit. Frei sind wir, wenn wir unsere Gedanken, unseren Glauben, unsere Überzeugungen vor anderen aussprechen können. Für uns in den westlichen Demokratien ist diese Freiheit, wie auch die eleutheria, selbstverständlich und durch die Verfassungen garantiert. Aber sie ist immer wieder gefährdet durch fake news, Verschwörungstheorien und durch Menschen, die von sich glauben, die absolute Wahrheit zu besitzen.

Der dritte Begriff, die Autarkia, meint Selbstverfügung und Selbstbestimmung. Ich kann selber entscheiden, was ich will. Dieses innere Gefühl der Freiheit, Herrin über mich selbst zu sein, gehört also wesentlich zu meiner Würde als Mensch und sie bleibt selbst dann bestehen, wenn durch besondere Umstände meine Grundfreiheiten eingeschränkt werden.

Luthers tiefste Erkenntnis und Überzeugung war es, das der Glaube an Christus uns Menschen frei macht. Natürlich sind die Zwänge dann nicht gleich weggeblasen. Der Glaube aber befreit uns Menschen im Inneren, in unseren Seelen und in unserem Geist.

Das hilft mir, fröhlich zu bleiben in Zeiten von Corona, wo viele dieser Freiheiten wirklich eingeschränkt sind, aber meine Autarkie, meine Selbstbestimmtheit und Selbstverfügung gibt mir diesen freien Geist, der von einer guten Zukunft nach der Krise träumt.

 Ich wünsche uns allen diesen Geist der Freiheit, der uns innerlich frei macht, damit wir uns als wahrhaft freie Menschen wahrnehmen und gelassen in die Zukunft blicken können. Mit den Worten eines lieben Gemeindegliedes, die mich vergangenen Samstag erreichten, möchte ich schliessen: „Von Herzen wünsche ich Euch, dass dieser Spuck hoffentlich bald vorüber ist und Ihr gesund und munter Euren Alltag froh und frei wieder geniessen und organisieren dürft.

Und dazu gehört für mich auch, dass wir dann auch vehement unsere Grundrechte nach Überwindung der Krise wieder zurück fordern, denn Christus hat uns zur Freiheit befreit.

 

 

EG 321: Nun danket alle Gott

 1) Nun danket alle Gott / mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut / an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib / und Kindesbeinen an unzählig viel zugut / bis hierher hat getan.

2) Der ewigreiche Gott / woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz / und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad / erhalten fort und fort und uns aus aller Not / erlösen hier und dort.

3) Lob, Ehr und Preis sei Gott / dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist / im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein'gen Gott, / wie es im Anfang war und ist und bleiben wird / so jetzt und immerdar.

Übrigens ein Kirchenlied aus dem furchtbaren dreissigjährigen Krieg von Paul Gerhardt.

Zum Mitsingen: https://www.youtube.com/watch?v=nDVyysCj2eE

 

Gebet

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.

Die Nacht ist verflattert, und ich freue mich am Licht.

Herr, ich bin fröhlich.

Die Vögel und Engel singen, und ich jubiliere auch.

Das All und unsere Herzen sind offen für Deine Gnade.

Ich fühle meinen Körper und danke.

Herr, ich freue mich an der Schöpfung.

Und dass Du dahinter bist und daneben und davor und darüber und in uns.

Die Psalmen singen von Deiner Liebe,

die Propheten verkündigen sie, und wir erfahren sie.

Ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.

Ein neuer Tag, der glitzert und knistert und jubiliert von Deiner Liebe.

Jeden Tag machst Du,

Du zählst jeden Tag die Haare auf meinem Kopf.

Halleluja, Herr.

(aus Afrika)

 

Bleiben Sie behütet und gesund.

 

Ihre Dagmar Magold