Dienstag, 24. März 2020: ein gutes Wort für jeden Tag: Achtsamkeit

Dienstag, 24. März 2020: ein gutes Wort für jeden Tag: Achtsamkeit


# Berichte
Veröffentlicht von Marc Blessing am Dienstag, 24. März 2020, 13:26 Uhr

Dienstag, 24. März: ein gutes Wort für jeden Tag: Achtsamkeit


Wort für den Tag

"Denn Gott hat seinen Engeln befohlen,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

dass sie dich auf Händen tragen 

und du deinen Fuss nicht an einen Stein stossest."

Ps 90,11

 

Gebet nach Psalm 119 von H.D. Hüsch

Du machst mich frei von meiner drückenden Last,

du machst mich los

von meine unseligen Bindungen,

du löst mich aus meinen Traurigkeiten,

du entfesselst mich

zu einem neuen Leben

vor dem Tod;

denn du wohnst mitten unter uns.

 

Darum lobe ich meinen Gott,

der aus der Knechtschaft mich erlöst,

damit ich frei bin.

 

Dein Wort in mir,

ein kleines Licht,

aber meines Fusses Leuchte

und ein Licht auf meinen nicht ganz einfachen Wegen;

aber ein Licht,

damit mein Fuss sich nicht wund tritt

an den Steinen,

die mir in den Weg gelegt werden.

 

Darum lobe ich meinen Gott,

der auf den Wegen mich begleitet,

damit ich gehe. Amen

 

Liedvorschlag EG 440:

All Morgen ist ganz frisch und neu,

des Herren Gnad und grosse Treu.

Sie hat kein End den langen Tag,

drauf jeder sich verlassen mag.

 

O Gott, du schöner Morgenstern,

gib uns, was wir von dir begehrn.

Zünd deine Lichter in uns an,

lass uns an Gnad kein Mangel han.

 

Treib aus, o Licht all Finsternis,

behüt uns, Herr, vor Ärgernis,

vor Blindheit und vor aller Schand

und reich uns Tag und Nacht dein Hand,

 

zu wandeln als am lichten Tag,

damit, was immer sich zutrag,

wir stehn im Glauben bis zum End

und bleiben von dir ungetrennt.

 

Impuls - von Dagmar Magold, Echenevex, Frankreich

Woche 1 der Ausgangssperre in Frankreich liegt hinter uns. Es ist ein seltsames und auch bedrückendes Gefühl, nicht mal eben zu Freunden auf eine Tasse Kaffee und ein Schwätzchen vorbei zu schauen. Auch Gottesdienste nur noch im Fernsehen oder per livestream mit zu verfolgen ist gewöhnungsbedürftig, selbst wenn die technischen Möglichkeiten für uns heute eine grosse Hilfe und ein Segen sind.

Selbst der Einkauf muss jetzt durchgeplant werden. Nur einmal die Woche mit Passierschein und das am besten mit Mundschutz und Handschuhen und mit viel Geduld, weil Sicherheitsabstand gewahrt werden muss und nur immer eine bestimmte Anzahl von Personen in die Geschäft gelassen werden.

 

Nach dem anfänglichen Run auf die Supermärkte und Apotheken hat sich die Lage deutlich beruhigt. Die Menschen haben erfahren, dass es genug von allem für alle gibt. Ich habe die Frischetheken und Gemüse-und Obststände noch nie so voll gesehen wie zurzeit. Ich gebe zu, das beruhigt auch mich kolossal. Dabei macht es wirklich nur einen marginalen Unterschied, ob ich aus 150 oder 50 verschiedenen Nudel- oder Toilettenpapiersorten auswählen kann. Also kein Grund zur Hysterie und Hamsterkäufen.

 

Aber die Zeit wird manchmal lang, denn man kann ja nicht ständig räumen und aussortieren und putzen. Irgendwann ist eben alles aufgeräumt und sauber. Bei einer meiner Räumungsaktionen ist mir ein Buch von Anselm Grün in die Hände gefallen mit dem Titel: "Engel für das Leben". Darin geht es um Haltungen, früher hätte man gesagt um Tugenden, die nun Engeln zugeordnet werden. Tugend kommt von taugen. Wenn ich also so eine Tugend einübe, dann taugt mein Leben, dann kann es gelingen. Ich will jetzt keine Engellehre hier entfalten, dafür bin ich viel zu protestantisch- nüchtern sozialisiert, aber ich nehme sehr wohl die Symbolkraft der Engel wahr. In der Bibel sind sie oft Bilder für Gottes liebende und tröstende Gegenwart. Engel sind dort Botschafter einer anderen, tieferen Wirklichkeit für uns Menschen. Die Vorstellungen, die wir mit ihnen verbinden, sind kostbare Bilder, die unserer Sehnsucht nach einer anderen Welt der Geborgenheit und Leichtigkeit, der Schönheit und der Hoffnung, der Hilfe und Heilung Ausdruck verleihen. Ich glaube, dass Engel in uns etwas hervorrufen können, was wir im Getriebe unseres Alltags allzu schnell vergessen und vernachlässigen.

 

Als ich nun das Buch aufschlug, landete ich just beim Kapitel über den Engel der Achtsamkeit. Mit Interesse las ich die 2 Seiten zum Thema und fand, dass sie geradezu für unsere Situation geschrieben wurden.

Achtsamkeit- sooft in den letzten Tagen habe ich sie selbst erfahren. Menschen, die sich kümmern und ihre Hilfe anbieten: Nachbarn, die im Garten stehen und wir uns von weitem unterhalten und uns versprechen aufeinander Acht zu haben; Freundinnen, die anrufen und bereit sind, Besorgungen in der Schweiz zu machen (Wir kommen ja nicht über die Grenze), Familie aus Deutschland, die sich sorgt um unser Wohlergehen wegen der Nachrichten aus Frankreich und Tirol. Und ja, auch ganz viel Achtsamkeit habe ich im Supermarkt erfahren. Die Menschen haben die Sicherheitsabstände eingehalten, waren sehr höflich und geduldig, auch wenn die Warteschlangen eben wegen der Abstände an den Kassen oder der Käsetheke lang waren. Und sie waren überaus erfinderisch in der Herstellung eigener Schutzmasken. Manche waren geradezu kunstvoll und mit viel Liebe selbst genäht.

 

Achtsamkeit- auch ich möchte achtsam sein, ganz im Augenblick sein, ich möchte achtsam umgehen mit meiner Familie und mir selbst. Ich möchte achtsam sein über alle Kontakteinschränkungen und Ausgehsperren hinaus und über Ländergrenzen hinweg. Und ich möchte achtsam sein gegenüber Gott, damit  ich seinem Atem verspüre, der mich mit Leben und Wärme und Hoffnung erfüllt.

Ich wünsche uns allen, dass wir den Engel der Achtsamkeit in Zeiten des Ausnahmezustandes in unserem Leben entdecken und wir alles mit Aufmerksamkeit und Hochachtung tun.

 

 

Gebet

Treuer Gott, die Welt sieht anders aus als noch vor ein paar Tagen.

Ich bitte dich, dass wir in den akuten Ausnahmesituationen, in denen wir uns befinden, weder den Verstand noch das Herz verlieren. Lass uns besonnen bleiben, Achtsamkeit und Barmherzigkeit üben, wo es möglich ist, und Wege finden, dass wir uns trotz räumlicher Distanz nicht aus den Augen verlieren.

Ich danke dir für alle, die sich aufopferungsvoll um das Wohl der Allgemeinheit kümmern.

Wo ich dazu in der Lage bin, will ich helfen.

Gib dazu offene Augen und ein offenes Herz. Amen

 

Bleiben sie gesund und behütet!

 

Ihre Dagmar Magold