Freitag, 20. März 2020: ein gutes Wort für jeden Tag: in Schwachheit stark

Freitag, 20. März 2020: ein gutes Wort für jeden Tag: in Schwachheit stark


# Berichte
Veröffentlicht von Marc Blessing am Freitag, 20. März 2020, 16:03 Uhr
© Photo by Joshua Eckstein on Unsplash

Wort für den Tag

Der Herr behütet mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, 

er birgt mich im Schutz seines Zeltes. Psalm 27,5 


Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. 2. Korinther 12, 10


Gebet

Herr, unser Gott! 

Wenn wir Angst haben, dann lass uns nicht verzweifeln. 

Wenn wir enttäuscht sind, dann lass uns nicht bitter werden. 

Wenn wir gefallen sind, dann lass uns nicht liegenbleiben. 

Wenn es mit unseren Kräften zu Ende ist, dann lass uns nicht umkommen. 

Nein, dann lass uns deine Nähe und deine Liebe spüren. 

Amen.

(Karl Barth)


Liedvorschläge

EG 91

Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, 

mich in das Meer der Liebe zu versenken, 

die dich bewog, von aller Schuld des Bösen

uns zu erlösen. 


Gott ist gerecht, eine Rächer alles Bösen

Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen. 

Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken

am Kreuz erblicken. 


Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden

ein Ärgernis und eine Torheit werden, 

so sei's doch mir, trotz allen frechen Spottes, 

die Weisheit Gottes. 


Impuls

Die Nachrichten aus Italien sind erschütternd. 

Allein in den letzen 24 Stunden sind 475 Menschen an Covid19 gestorben. 

Italien hat inzwischen mit über 3400 Toten mehr Corona-Opfer als China zu beklagen. 

Da Trauerfeiern verboten sind, werden die Verstorbenen in Krematorien verbrannt. 

Gestern Abend brachte die Armee hunderte von Särgen aus der Region um Bergamo in entfernter gelegene Krematorien. 

Die Krankenhäuser sind überfüllt, Beatmungsgeräte sind Mangelware. 


Ich schaue betroffen runter auf den Place du Bourg-de-Four. 

Menschen halten Abstand, tragen Masken, aber eingesperrt sind sie noch nicht. 

Die Atmosphäre ist angespannt, aber ruhig, alle sind nüchtern und wachsam. 


Gestern Abend haben in Deutschland die Glocken geläutet - als Erinnerung und Mahnung, dass unser Leben bedroht ist 

und als Fürbitte für die, die sich infiziert haben und zum Teil um ihr Leben ringen. 


Um acht Uhr abends habe ich Kerzen ins Fenster gestellt. 

Für Italien. Für die Verstorbenen, die nicht würdig bestattet werden können. Für die Angehörigen, denen das Virus einen Menschen geraubt hat. Für die vielen Freiwilligen, die sich melden, um zu helfen, in Krankenhäusern und Pflegestationen. 


Es ist eine böse Zeit, wie es in der Tageslosung für heute heißt. 

Ja, wir sind in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten


Die vielen Rückmeldungen, die ich aus der Gemeinde bekomme zeigen mir, dass auch bei uns viele Menschen sehr besorgt sind. 

Wie wird es weitergehen? 

Und wie können wir die langen Wochen, die vor uns liegen, bestehen? 


Die Meldungen sind besorgniserregend und alles andere als schön. 

Aber es gibt auch manches Ermutigende, Tröstende: 


Eine schreibt, sie habe am Abend spontan ein Konzert vor ihrer Haustür gegeben - zur Ermutigung für die Nachbarn. 

Eine andere erzählt, sie telefoniere täglich ganz viel mit Freundinnen und Verwandten - und gehe täglich 10.000 Schritte. 

Eine andere schickt eine Mail, sie hätte ja jetzt eigentlich Zeit, mal ihren Papierkram zu ordnen, aber NULL Lust dazu. 

Kann ich gut verstehen - Corona ist aber doch auch eine Erlaubnis, mal ohne schlechtes Gewissen NICHTS zu tun.


Ich will guten Mutes bleiben, wie Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt. 


Ich bin guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.


Unsere Schwäche und Ohnmacht verbindet uns gegenwärtig auf solidarische Weise mit einander und mit dem leidenden Christus. 

Unsere Stärke kommt nicht aus uns selbst. 

Sie liegt nicht in unseren Möglichkeiten. 

Sie wird uns geschenkt von außen durch den, der sagt: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Meine Liebe trägt dich durch. 

Wir können darum bitten. Und er wird uns stärken. 


In aller Schwäche und mit all meinen Sorgen halte ich mich an Christus und seinen Weg durch das Leiden. 

Halte mich fest an der Vorstellung, dass er da ist und mich sieht und keinen verloren gehen lässt.


Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.


Gott, ich bekenne dir meine Stunden, 

in denen ich ganz elend und am Boden bin. 

Ich fühle mich ohnmächtig und ausgeliefert. 

Deshalb bin ich froh, 

dass du dich nicht abwendest.  

Lass die Menschlichkeit wachsen in diesen schweren Zeiten. 

Lass uns für einander einstehen - im Gebet, praktisch, mit aller Kreativität, die du uns geschenkt hast. 

Du verwandelst unsere Schwäche in Stärke. 

Unsere Mutlosigkeit in Zuversicht. 

Danke. 


Liedvorschlag: EG 637: Von guten Mächten

Von guten Mächten wunderbar geborgen
Erwarten wir getrost was kommen mag
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Noch will das Alte unsre Herzen quälen
Noch drückt uns böser Tage schwere Last
Ach Herr gib unsern aufgescheuchten Seelen
Das Heil, für das Du uns geschaffen hast.


Ihr Marc Blessing